Sprache und Schauspiel für Kinder und Jugendliche

So ist die Theatertherapie, auch Kunsttherapie für Schauspiel mit Sprechkunst genannt, eine Therapieform, die der Spielfreude der Kinder und Jugendlichen entgegen kommt.

In einem ersten Kennenlernen lasse ich das Kind oder Jugendliche in ihrer Art, sich in Beziehung zu setzen und auszudrücken, ganz unvoreingenommen auf mich wirken. Aus dieser Begegnung zeigen sich meistens schon Wege, wie wir miteinander arbeiten können.

Anamnese und Gespräch mit den Eltern ( und bei Bedarf auch mit Klassenlehrer*in ) ergänzen den ersten Eindruck.

Ich biete vier Schwerpunkte an ( zwischen denen die Kinder und Jugendlichen bei Bedarf auch hin- und herwechseln können).

Rollenspiel in einem Freilicht-Theater-Projekt

1. Sprache im Szenischen Spiel

Wahrnehmung des Eigenen

Die Wahrnehmung des eigenen Körpers, der Gefühle, Impulse, Ideen sind bedeutsam, um spüren zu können: „was will ich sagen?“ – auf der Spielebene im szenischen Spiel genauso wie im realen Leben. Übungen aus dem Schauspieltraining und Theatertherapie fördern den Zugang zum Spüren des Eigenen.

Einzeltherapie und Gruppentherapie

Szenisches Spiel biete ich als Einzeltherapie mit mir als Spielpartnerin an, und auch in Kleingruppen von 2 – 5 Mitspieler*innen.

Das Sprechen im szenischen Spiel

Wenn die Spielerinnen und Spieler dem nachgespürt haben, wie sie gerade da sind, wünschen  sich alle eine Rolle, oder auch ein Spielthema. Oder ich bringe eine Geschichte, ein Märchen, eine Sage mit, die ich zuerst erzähle, und die wir dann gemeinsam spielen.

In Märchen und Sagen leben Urbilder, die die Seele nähren – vom Weg des Guten durch alles Böse hindurch, mit Hilfe der Liebe, die die stärkste Kraft ist. Balsam für die Seele, diese Urbilder auch auf der Spielebene als wahr zu erleben.

Eigene Geschichten erfinden stärkt die Selbstwirksamkeit der Kinder und Jugendlichen – dass aus ihren Ideen eine tolle Geschichte entstehen kann, dass wir in der Gruppe gemeinsam etwas erfinden, und viele verschiedene Ideen finden ihren Platz. Gefördert wird hier auch die Fähigkeit, sich auf überraschende Spielideen der anderen offen einzulassen und bereitwillig anzunehmen, was von den andern kommt. Für Kinder, die gerne die Kontrolle über alles behalten wollen, besteht hier eine Chance, auf der Spielebene das Loslassen zu üben, das sich-überraschen-lassen.

Wenn Kinder nicht oder wenig sprechen

Spielerinnen und Spieler, die sich sehr unsicher im Sprechen fühlen, biete ich Sätze an, die in der Spielsituation vielleicht passen könnten, ( mit der Möglichkeit, den Satz zu verwenden oder auch nicht ). Je mehr die Spielenden in die Geschichte eintauchen, desto mehr verlieren sich Scheu und anfängliche Unsicherheiten. Szenisches Spiel bietet zudem die Möglichkeit, sich mit Mimik, Gestik, Körpersprache auszudrücken. Die Ausdrucksmöglichkeiten, wie wir uns gegenseitig etwas mitteilen und zeigen können, sind so vielfältig. Für manche Spielerinnen und Spieler ist das non-verbale Spiel der erste Schritt, bevor die gesprochene Sprache mehr und mehr dazu kommt.

Gefühle und Handlungen auf der Spielebene erproben

Auf der Spielebene können die Kinder und Jugendlichen Erfahrungen sammeln, die so im Alltag nicht möglich wären. Sie können sich eine Rolle wählen, die Eigenschaften besitzt, die sie gerne mal ausprobieren möchten: Polizeichef*in, Pirat*in, Prinzessin oder Prinz, Ritter*in, Hexe oder Zauberer, ein wildes gefährliches Tier…je nach Alter und Spielwunsch.

Wenn ein Kind im Spielen eines Piratenkapitäns für sich viel Stärke und Mut erlebt hat, kann es dieses Gefühl für sich mitnehmen in den Alltag. Jede Rolle hat ein Geschenk für seine Spielerin und seinen Spieler. Und was auf der Spielebene erprobt wurde, kann zur Ressource für den Alltag werden.

Soziales Lernen

Das gemeinsame Spielen einer Geschichte bringt es mit sich, dass jede und jeder immer wieder eingeladen ist, mutig Spielimpulse einzubringen, und genauso auch die Spielideen der andern aufzunehmen. Wir gehen achtsam miteinander und mit den Ideen jedes einzelnen um.

Es geht immer auch darum, die Grenzen der anderen wahrzunehmen und zu achten.

Dieses Spüren-lernen unterstütze ich immer wieder gerne mit Übungen aus der Theatertherapie und dem Kinderfocusing.

Ressourcenorientiertes Lernen

Viele Kinder können mit ihrer kindlichen Spielfreude recht schnell auf der Spielebene in andere Rollen, Orte, Zeiten, Situationen eintauchen. Die Kinder und Jugendlichen erleben sich hier in ihren besonderen Fähigkeiten. Viele Kinder und Jugendliche erleben eine tiefe Freude beim Spielen, verbunden mit dem Gefühl: „Das kann ich, so kann ich mich ausdrücken.“ Dieses Gefühl von Freude und Selbstvertrauen stärkt die Kinder und Jugendlichen.

2. Sprache – Rezitation – freie Rede

Kindern und Jugendlichen, die sich sprachlich undeutlich ausdrücken, biete ich ein Sprechtraining an, das gleichzeitig den Atemfluß und eine stimmige Körperhaltung unterstützt. Wir arbeiten mit Körper und Stimme gleichzeitig, um die Sprache in Fluß zu bringen. z.Bsp. hat miteinander sprechen Ähnlichkeit mit einem Ballspiel: ich sende dem anderen im direkten (Augen)-Kontakt meine Worte, und empfange seine Antwort mit der gleichen Aufmerksamkeit. Wir begleiten das gesprochene Wort hier oft mit dem achtsamen Zuwerfen eines Balls.

Sprechübungen zur deutlichen Aussprache der Konsonanten, zur Lautbildung in spielerischer altersangemessener Weise wiederholen und erweitern sich von Stunde zu Stunde.

Nach dem Sprechtraining können die Sprechenden mit der Rezitation eines Gedichts oder anderen Textes ihre Ausdrucksmöglichkeiten mit der Stimme erkunden. Jeder Text erfordert eine Einfühlung der Sprechenden in das geschriebene Wort, das zu neuem Leben erweckt werden will. Ziel ist ein authentisches Sprechen des Texts in freier Rede im Raum.

Einige Schülerinnen und Schüler begleite ich bei ihrer Vorbereitung ihrer Präsentation von Referaten oder Jahresarbeiten.

Wenn Schülerinnen und Schüler sich übermäßig unsicher dabei fühlen, vor anderen Menschen zu sprechen bzw. etwas zu präsentieren, biete ich zusätzlich ein coaching mit Focusing an, das hier hilft, in sich einen guten Ort zu finden, der in aufregenden Situationen Sicherheit bieten kann.

3. Theatertherapie

In der Theatertherapie erkunden und benennen wir verschiedene Gefühlsqualitäten und erweitern damit das Vokabular, sich selbst über eigene Befindlichkeiten klar zu werden und ausdrücken zu können. Wir arbeiten daran, eigene Grenzen erspüren, setzen und halten zu können – und auch sensibel für die Grenzen der anderen zu werden.

Spielerisch begleite ich das Kind/ die Jugendlichen dabei, auch Persönlichkeitsanteile und Gefühle, mit denen sie es schwer haben, kennenzulernen, und in einen achtsamen Kontakt damit zu gelangen.

Mit Methoden aus dem Kinderfocusing verweilen wir bei dem, was sich gerade neu und bedeutsam an neuem Erleben für das Kind/ die Jugendlichen zeigt, und vertiefen damit nachhaltig den neuen Entwicklungsschritt.

4. Traumabezogene Theatertherapie

Wenn traumatisierten Kindern die Möglichkeit geboten wird, auf der Spielebene eigene Geschichten zu erfinden, so entsteht oft traumatisches Spiel, ( z. Bsp. eine Katastrophe jagt die nächste, es kann und darf nichts Gutes entstehen, was bleiben könnte..) Als Theatertherapeutin kann ich das Kind begleiten, den roten Faden seiner Geschichte und seiner Rollenfigur bis zu einem stimmigen Ende zu führen. Ich ermutige das Kind dabei, sich Helferfiguren in die Geschichte einzuladen, die seine Rollenfigur in schwierigen Situationen schützen. Wir bauen einen „guten Ort“, an dem sich das Kind sicher fühlen kann. Wir können aus dem Spielgeschehen heraus treten, und von außen schauen, was jetzt passieren könnte, damit es für die Rollenfigur gut weiter gehen kann.

Auf diese Weise können Kinder vieles von dem erlösen, was sie innerlich belastet und hemmt. Und sie lernen, dass sie ein Recht auf Schutz haben, und es gut ist, sich Hilfe zu holen – auf der Spielebene wie im realen Leben.

Diese Form der Begleitung halte ich dann für angezeigt, wenn ein Kind von sich aus traumatisches Spiel in Geschichten einbringt.

Kunsttherapie für Sprache/ Schauspiel und Theatertherapie fördern:

  • Selbstvertrauen in den eigenen sprachlichen Ausdruck und die Freude sich sprachlich auszudrücken und mitzuteilen
  • ganzheitliches Sprechen – der gesamte Körperausdruck ist ein Medium, sich auszudrücken und mitzuteilen
  • soziale Kompetenz im Sprechen und Zuhören in der Interaktion mit anderen
  • das Erspüren der eigenen Grenzen und die der Spielpartnerinnen und Spielpartner
  • klares deutliches authentisches Sprechen
  • Selbstsicherheit und Annehmen der eigenen Besonderheiten im persönlichen Ausdruck
  • Erweiterung persönlicher Erlebensräume im Spielen verschiedener Rollen
  • Spielfreude und Lebensfreude

Die hier dargestellten inhaltlichen Möglichkeiten der Therapie variieren je nach Kind und der Jugendlichen und dem jeweiligen Anliegen.

Kontakt

Nehmen Sie für weitere Fragen gerne Kontakt zu mir auf:

Monika Timme-Hafner, Telefon: 02222 929 91 22

monikatimmehafner@online.de